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Financial Times Deutschland v. 21.6.2006:

Dossier Deutsche Bank schlägt zu

von Angela Maier und Meike Schreiber, Frankfurt

Im monatelangen Übernahmepoker um die Berliner Bank hat die Deutsche Bank den Zuschlag errungen. Die Verträge wurden bereits unterzeichnet, verlautete aus Finanzkreisen. Die Bankgesellschaft Berlin und die Deutsche Bank wollen die Vereinbarung bald vorstellen.

Die größte deutsche Bank hat den Kreisen zufolge nicht nur die 900 Arbeitsplätze der Berliner garantiert. Auch der gebotene Preis liegt deutlich über den bislang kolportierten 450 Mio. Euro. In Bankkreisen ist von einer Größenordnung von 600 Mio. Euro die Rede. Die Institute lehnten einen Kommentar ab.

Damit verstärkt sich die Deutsche Bank zum ersten Mal in ihrem deutschen Privatkundengeschäft durch einen - wenn auch kleinen - Zukauf. In den vergangenen 15 Jahren hatte der deutsche Marktführer vor allem im Investmentbanking akquiriert und sich dadurch zu einer der weltgrößten Investmentbanken aufgeschwungen. Da die Bank auf ihrem deutschen Heimatmarkt aber seit Jahren kaum wächst, macht dieser nur noch deutlich unter 30 Prozent ihrer Umsätze aus.

Die Berliner Bank kommt auf einen Marktanteil im Großraum Berlin von sieben Prozent. Die Bankgesellschaft, der bisherige Eigentümer, muss das Institut auf Druck der EU veräußern, nachdem das Land Berlin den Konzern 2001 mit milliardenschweren Beihilfen vor dem Zusammenbruch gerettet hat.

Die Berliner Bank betreut in 60 Filialen 306.000 Privat- und 14.000 Firmenkunden. Sie hat 2005 ihren Vorsteuergewinn von 32 Mio. Euro auf gut 40 Mio. Euro gesteigert und so eine viel beachtete Ergebniswende hingelegt. Laut Finanzkreisen will die Deutsche Bank das Institut als Zweitmarke fortführen.

Mit der Akquisition sendet Bankchef Josef Ackermann laut Insidern ein Signal, dass sein stets wiederholtes Bekenntnis zum Heimatmarkt keine leeren Worte sind. Das Debakel um die Schließung des offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest hatte zuletzt daran Zweifel genährt. Zudem stärkt Ackermann die kleinere Geschäftssäule Privatkunden und Vermögensverwaltung, die infolge des großen Wachstums des Investmentbankings im ersten Quartal 2006 nur noch 28 Prozent der Einnahmen ausmachte.

Der Bankchef hatte auf der Hauptversammlung sein Interesse an der Berliner Bank bekräftigt: "Es wäre nicht gut, wenn eine ausländische Bank in der Hauptstadt mehr Filialen hätte als die Deutsche Bank." Man sei bereit, einen guten Preis zu bezahlen. Zuletzt war die Deutsche Bank im Wettstreit um Privatkundenbanken im Ausland mehrfach abgeblitzt, weil sie mit den hohen Geboten der Wettbewerber nicht mithalten wollte.

Ackermann betont stets, dass Zukäufe den Renditeanforderungen genügen müssen. Sein Ziel ist, über fünf Jahren hinweg im Schnitt 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Steuern zu erwirtschaften. Die Berliner müssen das Ziel Finanzkreisen zufolge in spätestens fünf Jahren erfüllen.

Ausgestochen hat die Deutsche Bank in dem Bieterkampf die Konkurrenten Citibank, Commerzbank, Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS), Société Générale, Berliner Volksbank und die Unicredit-Tochter HypoVereinsbank. Dem Vernehmen nach waren zuletzt MBS und Citibank heiße Favoriten. Den EU-Auflagen zufolge muss der Kaufvertrag am 1. Oktober dieses Jahres unterschrieben sein. Im zweiten Teil des EU-Verfahrens wird das Land 2007 seinen 81-Prozent-Anteil an der Bankgesellschaft verkaufen. Um diese kann sich die Deutsche Bank allerdings nicht mehr bemühen.

Das Sparkassenlager dürfte sich über die Entscheidung freuen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hatte seine Mitglieder angehalten, das Pulver für den Kauf der mit rund 4 Mrd. Euro deutlich teureren Bankgesellschaft trocken zu halten. Damit will der DSGV verhindern, dass die Bankgesellschaft samt Sparkasse in private Hände fällt.

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