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Handelsblatt v. 10. November 2006

Milliardenfusion im Norden

HELMUT STEUER | STOCKHOLM
Im bereits konsolidierten nordeuropäischen Bankenmarkt ist es zu einer weiteren Konzentration gekommen: Dänemarks größter Finanzdienstleister, die Danske Bank, kauft für 30,1 Mrd. Kronen (4,03 Mrd. Euro) den finnischen Konkurrenten Sampo Bank. Damit baut Danske Bank die Position als einer der führenden Finanzdienstleister in Nordeuropa aus.

Die finnische Sampo Bank gehörte zum Versicherungsriesen Sampo, der durch seine Tochtergesellschaft If größter Sachversicherer in Nordeuropa ist. Sampo-Chef Björn Wahlroos erklärte gestern in Helsinki, dass sich sein Konzern wieder auf das Versicherungsgeschäft konzentrieren wolle.

Mit der Übernahme der Sampo Bank baut Danske Bank das Privatkundengeschäft in Nordeuropa deutlich aus: Die Sampo Bank ist in Finnland mit einem Marktanteil von 20 Prozent im Unternehmensbereich und 15 Prozent im Privatkundengeschäft die Nummer drei nach Nordea und der Oko Bank. Wichtig für die Kaufentscheidung waren auch die Tochtergesellschaften der Sampo Bank in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen, wo die Danske Bank überhaupt nicht vertreten war. Außerdem hat sich die Sampo Bank in Russland etabliert.

Danske Bank-Chef Peter Straarup begründete die Übernahme in Kopenhagen denn auch mit dem Wachstumspotenzial im Ostseeraum. „Ein Vorteil für uns ist, dass das Wirtschaftswachstum in Finnland, Estland, Lettland und Litauen über dem EU-Durchschnitt liegt“, sagte er.

Analysten bewerteten die Übernahme zwar als positiv, sahen jedoch den Preis als sehr hoch an. „Ein guter Deal, aber zu teuer“, sagte Matti Ahokas, Analyst bei der schwedischen Handelsbanken in Helsinki. Danske Bank will den Kauf zur Hälfte über eine Neuemission finanzieren. Die Aktie fiel an der Börse in Kopenhagen zunächst um sieben Prozent, erholte sich jedoch später wieder. Der Kurs der Sampo-Aktie schoss dagegen um zwölf Prozent nach oben.

Experten glauben nicht, dass die Sampo-Übernahme eine neue Konsolidierungswelle auf dem nordeuropäischen Bankenmarkt auslösen wird. Grund dafür ist, dass anders als beispielsweise in Deutschland die Konsolidierung in Nordeuropa vor Jahren begonnen hat und abgeschlossen ist. Die größte Bank der Region, Nordea, ist aus Fusionen schwedischer, finnischer, norwegischer und dänischer Banken hervorgegangen. Eine Fusion der SEB mit der Föreningssparbanken (heute Swedbank) wurde aus kartellrechtlichen Gründen von der EU-Kommission gestoppt.

Die nordeuropäischen Banken blicken bei ihrem Wachstumskurs hauptsächlich Richtung Osteuropa. So kontrollieren Swedbank und SEB mit einem Marktanteil von 70 Prozent nahezu vollständig den Bankenmarkt in den drei baltischen Staaten. Norwegens größte Bank DnB Nor gründete zusammen mit der NordLB in Hannover das Joint Venture DnB Nord, das 2005 an den Start ging. Nordea erwarb erst Anfang der Woche 75 Prozent der russischen JSB Orgresbank für 245,5 Mill. Euro. Die Danske Bank streckte hingegen Ende 2004 ihre Fühler Richtung Westen aus und kaufte die Northern Bank in Nordirland und die National Irish Bank in Irland.

Die Danske Bank ist einer Hinsicht bemerkenswert: Sie war einer der ersten Finanzdienstleister im hohen Norden, der den Privatkundenbereich wieder entdeckte. Mittlerweile konkurrieren die großen Banken mit verlängerten Öffnungszeiten ihrer Zweigstellen und telefonischem 24-Stunden-Service miteinander.

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