|
Wirtschafts-Woche v. 31.5.2006
Neuer Name, schneller Verkauf
Künftig Landesbank Berlin Holding AG Der Jahresstart verlief für die Bankgesellschaft Berlin erfolgreich. Nicht nur, dass das Institut im ersten Quartal mehr verdiente. Auch der Verkauf der Tochter Berliner Bank wird wohl rascher über die Bühne gehen als erwartet. Um einen Schlussstrich unter die unrühmliche Vergangenheit zu ziehen, ändert die Bankgesellschaft ihren Namen.
In den Monaten Januar bis März habe sich der operative Gewinn auf 112 Millionen Euro nahezu verdoppelt, teilte die Bank am Mittwoch zur Bilanzpressekonferenz mit. Der Konzernüberschuss sei von 64 auf 83 Millionen Euro gestiegen. Dabei profitierte die Bank vom Rückgang der Risikovorsorge für faule Kredite, die von 48 auf 7 Millionen Euro schwandt, sowie von höheren Zins- und Provisionsüberschüssen. Erstmals veröffentlichte die Bank ihre Quartalszahlen nach dem internationalen Bilanzierungsstandard IAS/IFRS.
Bank-Chef Hans-Jörg Vetter warnte davor, den Geschäftsverlauf aus dem ersten Quartal auf das Gesamtjahr 2006 hochzurechnen. Im gesamten Jahr wolle die Bank operativ um 80 bis 100 Millionen Euro zum Vorjahr zulegen, also 324 bis 344 Millionen Euro verdienen.
Die Bank hatte ihre Eckdaten für das Geschäftsjahr 2005 nach HGB-Regeln bereits Anfang Februar veröffentlicht. Nach IAS/IFRS lag der operative Gewinn der Bank im vergangenen Jahr bei 244 nach 75 Millionen Euro, unter dem Strich steigerte die Bank ihr Ergebnis von 108 auf 255 Millionen Euro.
Im Zuge der von der EU-Kommission verlangten Sanierung des Konzerns hat die Bankgesellschaft nahezu ihr gesamtes Vermögen in ihre Tochter Landesbank Berlin AG eingebracht. Nach der Zustimmung der Aktionäre soll die Landesbank künftig das Bankgeschäft des Konzerns betreiben. Im Spätsommer soll die Bankgesellschaft nach den Worten Vetters dann in Landesbank Berlin Holding AG umbenannt werden. Zweck der Holding sei lediglich, die Aktien an der Landesbank Berlin AG zu halten. „Damit ist der letzte Schritt getan, die Vergangenheit hinter uns zu lassen“, sagte Vetter. Allerdings muss die Hauptversammlung der Umbenennung noch zustimmen.
Die Bankgesellschaft, ein Konglomerat aus öffentlich-rechtlichen und privaten Banken, war 1994 gegründet worden. In der damaligen Konstruktion bestand sie acht Jahre. Durch unübliche Kreditvergaben und Gewinngarantien für bestimmte Fonds brachte sie dem Besitzer, dem Land Berlin, statt Gewinnen zur Haushaltssanierung nur Risiken ein. Berlin sicherte Milliarden ab. Die EU akzeptierte diese staatlichen Hilfen aber nur unter Bedingungen wie dem Verkauf der Tochter Berliner Bank.
Der Verkauf der Tochter Berliner Bank soll möglichst zügig über die Bühne gehen. Es sei das Ziel, die Transaktion möglichst noch im August abzuschließen, sagte Vetter. Das bislang gesetzte Ziel, spätestens bis 1. Oktober einen Kaufvertrag abzuschließen, sei als „spätester Zeitpunkt“ zu verstehen. Weiter Angaben zum Stand des Verkaufsprozesses der Berliner Bank wollte Vetter unter Berufung auf die mit den Bietern vereinbarte Verschwiegenheitspflicht nicht machen.
Die Bankgesellschaft muss ihre Tochtergesellschaft Berliner Bank mit rund 300.000 Kunden auf Drängen der EU-Kommission veräußern. Diese hatte bei der Genehmigung von Milliardenhilfen für die Sanierung der Bankgesellschaft verlangt, dass Bankgesellschaft und Berliner Bank getrennt voneinander zum Verkauf kommen. Der Verkauf der Berliner Bank gilt als Testfall für den Verkauf der Bankgesellschaft mit ihrer Tochter Berliner Sparkasse, die über rund 2 Millionen Kunden verfügt. Experten erwarten bei der Bankgesellschaft ein wesentlich intensiveres Bietergefecht als bei der Berliner Bank.
Die Bankgesellschaft hat inzwischen die Zahl der Interessenten für die Berliner Bank reduziert. Nach Presseberichten sollen noch zwei Bieter übrig sein, die Deutsche Bank und die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam. Der Kaufpreis wird von Analysten auf etwa 400 Millionen Euro taxiert.
Die Bankgesellschaft will nach dem Abschluss der Sanierung ihre Aktionäre auch wieder vom Geschäftserfolg profitieren lassen. Die Bank werde 2006 die rechtlichen und technischen Voraussetzung für eine Dividendenzahlung schaffen, sagte Vetter. Auch für 2006 sollen die Aktionäre bereits eine Zahlung erhalten, über deren Höhe er sich aber nicht äußerte.
|