|
Von der Kooperation zur Fusion
Traunstein/Bad Reichenhall - Die Volksbank Raiffeisenbank (VR Bank) Traunstein und VR Bank Oberbayern Südost fusionieren zum 1. Januar.
Unabhängig voneinander haben die Vertreter beider Kreditinstitute in dieser Woche zu 89 Prozent beziehungsweise zu 97 Prozent der Verschmelzung zugestimmt. Am Dienstag gab's in Traunstein 57 Ja- und sieben Nein-Stimmen, am Donnerstag votierten 116 Vertreter für und vier gegen die Fusion. Auch das Warengeschäft wird am 1. Januar zusammengelegt. Zur Sicherung der dauerhaften Leistungsfähigkeit wird eine Waren-GmbH gegründet.
Vorstandssprecher Franz Brecht ging in der Versammlung in Traunstein zunächst auf die hohen Anforderungen ein, die sich heute an das Bankgeschäft stellen. Insbesondere der Wettbewerb werde stetig intensiver, der Kampf um den Kunden in einem stagnierenden Markt führe zu einer erhöhten Wechselbereitschaft der Kunden. Preiskämpfe um Konditionen und Mehrwerte, standardisierte Produkte und Marketingkampagnen erforderten ständig neue Stategien und Investitionen.
Die Einflüsse der Globalisierung seien auch in unserer Region zu spüren, so Direktor Brecht weiter. Während früher die einzelnen Städte und Gemeinden im Mittelpunkt gestanden seien, rückten jetzt die Regionen in den Vordergrund. «Bei uns» zeichne sich wirtschaftpolitisch ein besonderes Spannungsfeld zwischen der Region München/Rosenheim und Salzburg ab. Alle politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen, die Unternehmen, Verbände und auch die Banken müssten sich dieser Problematik stellen und gemeinsam darangehen, den Chiemgau und das Berchtesgadener Land wirtschaftlich dauerhaft stabil und erfolgreich zu positionieren.
Auf Dauer können in diesem hart umkämpften Wettbewerb Brecht zufolge nur Genossenschaftsbanken mit einer angemessenen Betriebsgröße erfolgreich sein. Primäres Ziel sei die dauerhafte Sicherung der Marktposition der Genossenschaft. Damit gehe auch eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze einher. Eine kundenorientierte, dezentrale Ausrichtung mit größtmöglicher persönlicher Nähe zum Mitglied und Kunden und hoher Entscheidungsgeschwindigkeit soll laut dem Direktor auch weiterhin durch ein flächendeckendes Filialnetz gewährleistet bleiben.
Brecht erläuterte den Verschmelzungsvertrag: Die Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost eG sei die übernehmende, die Volksbank Raiffeisenbank Traunstein eG die übertragende Genossenschaft. Die Verschmelzung werde zum 1. Januar 2008 erfolgen. Hauptsitz der Bank sei Bad Reichenhall, da dort auch die erforderlichen Raumkapazitäten ohne große Investitionen zur Verfügung stünden.
Das Aufsichtsorgan der Bank setzt sich künftig aus 14 Aufsichtsräten zusammen, wovon die VR Bank Traunstein vier Aufsichtsräte zur Hinzuwahl in das Gremium der übernehmenden Bank vorschlägt. Die Mitgliedervertreter bestimmten dafür Max Brunner aus Chieming, Franz Mayer aus Siegsdorf, Albert Rieder aus Traunstein und Georg Schützinger aus Grabenstätt, die alle bereits lange Jahre im Aufsichtsorgan der Bank tätig sind. Erwin Auburger, Manfred Krug und Franz Maier werden im nächsten Jahr aus Altersgründen aus dem Aufsichtsrat ausscheiden.
Neben den bisherigen Vorstandsmitgliedern der VR Bank Oberbayern Südost, Direktor Josef Frauenlob und Direkor Wolfgang Völkl wird Direktor Franz Brecht als weiteres Vorstandsmitglied bestellt. Künftig wird für je 150 Mitglieder ein Interessenvertreter gewählt.
Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von gut 1,4 Milliarden Euro, über 500 Mitarbeitern und mehr als 35000 Mitgliedern. Es ist damit die größte genossenschaftliche Bank in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land.
Das bestehende Filialnetz beibt unverändert mit der gewohnten Kompetenz vor Ort erhalten. Die Doppelpräsenz in Traunstein wird durch Zusammenlegung auf die Geschäftsstelle am Maxplatz gelöst.
Bei den Mitarbeitern wird es nach Angaben der Bank zum Teil zu Verlagerungen von Stellen kommen. Es sei jedoch sichergestellt, dass alle Mitarbeiter der VR Bank Traunstein übernommen werden. Im Zusammenhang mit der Fusion wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.
Direktor Georg Junkert stellte die von den beiden Fusionsbanken neu ins Leben gerufene «Bürgerstiftung Traunsteiner Land» vor. Das Stiftungsvermögen betrage anfangs 105000 Euro. Zustifter seien jederzeit willkommen. Die Bürgerstiftung fördert und unterstützt Institutionen und Projekte in den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und Umwelt. Die Stiftungsmittel werden ausschließlich im Landkreis Traunstein eingesetzt.
Junkert gab sein Ausscheiden aus dem Vorstand nach der Fusion bekannt. Er sei jetzt vier Jahrzehnte im Genossenschaftsverbund tätig, davon die letzten 30 Jahre als Vorstand. Damit sei es Zeit, die Verantwortung in jüngere Hände zu legen. re
OVB-Online Rosenheim v. 24.11.2007
|